Werte in der Erziehung

Die Katholische Familienbildungsstätte will mit diesem Artikel der Frage nachgehen, welche Forderungen sich in einer veränderten Gesellschaft vor allem an die Pädagogik stellen. Dass dabei die Werte eine besondere Rolle spielen, liegt nicht allein im gesteigerten Interesse der Familienbildungsstätte begründet, sondern in der derzeitigen gesellschaftlichen Situation. Von Werteänderungen, Werteverlust oder von Werteverfall wird geredet - wobei wir uns Wehklagen weder anschließen können noch wollen.

Erwartungen und Unsicherheiten, die uns angesichts sich immer schneller wandelnder gesellschaftlicher Verhältnisse befallen, vor allem dem, was uns die Zukunft sowohl an wirtschaftlichen, sozialen und politischen Neuheiten aber damit zusammenhängend vor allem an neuen Erziehungsfragen bringt, begleiten unser alltägliches Leben.

Ist die Pädagogik für eine Vorbereitung auf die Zukunft gerüstet? Vorrangige Aufgabe der Pädagogik bzw. der Erziehung ist es nicht, die Welt in Ordnung zu halten oder zu verbessern, sondern sie soll den kommenden Generationen helfen, Wertvorstellungen zu entwickeln und umzusetzen und in ihre Kultur hineinzuwachsen und zu verstehen.

Was ist Erziehung?

Diese Frage lässt sich nicht mit einem Satz beantworten, da es selbst von Erziehungswissenschaftlern verschiedene Begriffsdefinitionen gibt. Die Lösung dieses Problems ist in den unterschiedlichen Vorstellungen über Erziehung zu suchen:

  • Durch Erziehung sollen Verhaltensweisen erworben oder geändert werden, um der Ausbildung zur Persönlichkeit zu dienen (Personalisation)
  • Erziehung ist immer ein Geschehen, dass sich zwischen Menschen vollzieht und ist daher als wechselseitige Beeinflussung und Steuerung zwischen Erzieher/-in und zu Erziehendem zu sehen (Sozialisation).
  • Erziehung soll als Einführung in Kultur und Gesellschaft fungieren

Daraus lässt sich erkennen, dass Erziehung drei verschiedene Funktionen innehat:

  1. Erziehung als beabsichtigte Personalisationshilfe hat die Aufgabe, Hilfe und Unterstützung beim Aufbau des Personseins, bei der Ausbildung des individuellen Selbst zu geben. Erziehung als beabsichtigte Sozialisationshilfe hat die Aufgeben, Hilfe und Unterstützung beim Erlernen des sozialen Verhaltens, bei der Übernahme von Wert- und Normvorstellungen, sowie sozialer Rollen, bei der Ausbildung von sozialen Einstellungen und Haltungen sowie des Gewissens zu geben.
  2. Erziehung als beabsichtigte Enkulturationshilfe hat die Aufgabe, Hilfe und Unterstützung beim Erlernen der jeweiligen kulturellen Lebensweise zu geben.
  3. Familie ist als primäre Sozialisationsinstanz zu verstehen. Eltern haben die Pflicht und das Recht, ihre Kinder zu erziehen. Die Familienbildungsstätte hat sich zur Aufgabe gemacht, Eltern bei dieser schwierigen Aufgabe zu helfen, indem sie den Eltern durch entsprechende Angebote Hilfestellungen zur Erweiterung ihrer Erziehungskompetenz geben möchte.
Was sind Werte?

Der Begriff "Werte" ist ein hochabstrakter Allgemeinbegriff mit geringem Inhalt und riesigem Umfang. Dennoch kann gesagt werden, dass Werte ein Maßstab für wünschenswertes Handeln sind. Werte sind globale Standards, absolute Ideale, Leitbilder für die Auswahl und Bewertung von Zielen. Sie drücken das aus, was „sein soll“ und sind „Konzeptionen des Wünschenswerten“. Man findet sie in religiösen Geboten / Verboten, Grundrechten der Verfassung.

Werte bilden die „Grundpfeiler“ eines jeden Zusammenlebens, ohne die ein solches nicht möglich wäre. Das grundsätzliche Verhalten der Menschen in einer Gesellschaft, ihr Tun oder Lassen wird durch Werte bestimmt. Die Erziehung muss daher das Kind Werte „unterscheiden und für sich Werte entscheiden lehren“.

Werte bilden auch das Grundelement menschlicher Einstellungen und Haltungen. Wertvorstellungen werden verinnerlicht und wirken so als gemeinsame Einstelllungen und Haltungen im Sinne von Überzeugungen für die Mitglieder einer Gesellschaft oder Gruppe.
Werte sind in unterschiedlicher Weise interpretierbar und sagen noch nichts darüber aus, wie sie zu erfüllen und zu befolgen sind. Solche Ausführungsbestimmungen werden als „soziale Normen“ bezeichnet. Normen sind daher mehr oder weniger verbindliche Verhaltensvorschriften und –Erwartungen, die bestimmen, wie die Werte einer Gesellschaft oder einer Gruppe zu erfüllen und zu befolgen sind, und so das Tun und Lassen der Mitglieder dieser Gesellschaft oder Gruppe regulieren.

Wie oben bereits erwähnt hat Erziehung als Sozialisationshilfe die Aufgabe, als bewusste Lernhilfe bei der Übernahme von Wert- und Normvorstellungen der jeweiligen Gesellschaft sowie bei der Ausbildung von Einstellungen und der Formierung von Haltungen zu handeln.

Brauchen wir Werte, um erziehen zu können

Erziehung steht immer im Zusammenhang mit dem Menschenbild und den kulturellen Werten der jeweiligen Gesellschaft. Ein Kind zu erziehen ist daher eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Die Familie soll als Enkulturations-, als Personalisations- und als Sozialisationshilfe auftreten, um so Kinder in die Gesellschaft einzugliedern. Normen, Werte und Umgangsformen können dabei der Erziehung nur förderlich sein. Durch Erziehungsziele, die Eltern sich stecken, und den damit verbundenen Erziehungsmaßnahmen und –methoden, werden Wert- und Normvorstellungen an das Kind weitergegeben und so verwirklicht.

Aber das Wertbewusstsein vieler Menschen ist gegenwärtig geprägt durch Wertepluralismus und Unbeständigkeit und/oder Gegenläufigkeit von Normen, durch Wertewandel und Werteunsicherheit. Deshalb stellen sich viele die Frage, welche Werte sind in der heutigen Gesellschaft noch oder schon wieder wichtig?

Einen verbindlichen Wertekatalog aufzustellen, wäre vermessen, dennoch kann die Familienbildungsstätte einige Empfehlungen geben, welche Werte auch in der heutigen Gesellschaft im Umgang mit anderen und mit sich selbst ihrem Kind dienlich sein können:

„Wertesammlung“
  • Verantwortung für sich selbst und andere
  • Toleranz, Akzeptanz, Respekt
  • Gerechtigkeit, Gleichberechtigung
  • Solidarität
  • Menschenwürde/Achtung
  • Ordnung, Fleiß, Gehorsam
  • Natürlichkeit, Harmonie, Tradition
  • Treue, Loyalität
  • Pflichtbewusstsein
  • Zivilcourage, Mut
  • Vertrauen, Glaube
  • Liebe, Nächstenliebe
  • Empathie
  • Gemeinschaft
  • Freundschaft
  • Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Offenheit
  • Rücksichtnahme
  • Verlässlichkeit
  • Höflichkeit, Anstand
  • Ausdauer, Beständigkeit
  • Demut, Bescheidenheit

Werte in der Erziehung – ihre Wichtigkeit kann als unbestreitbar angesehen werden. Sie dienen als Orientierungshilfe, was das Gelingen des menschlichen Zusammenlebens ausmacht. Aber wie können die Werte, für die wir uns entschieden haben, Kindern vermittelt werden. Auch hier kann die Familienbildungsstätte „nur“ einige erzieherische Grundsätze an alle interessierten Erziehungsberechtigten weitergeben, die die Weitergabe von Werten erleichtern können:

  • Besonders bedeutsam ist die Wirkung von guten Vorbildern, weil sie Lernen am Modell ermöglichen. Eltern sind Vorbilder für ihre Kinder. Wie im Vater-Mutter-Kind-Spiel lernen Kinder durch Nachahmung und imitieren die Verhaltensweisen der Erwachsenen. Deshalb sollten wir Kindern Normen und Werte vorleben, die von der Gesellschaft akzeptiert werden und die das Zusammenleben erleichtern.
  • Die Methoden der Wertevermittlung müssen auf den Rang der Erziehungsziele sowie auf Alter, seelische Verfassung und Lebenssituation der Lernenden abgestimmt sein
  • Daneben muss es den Willen zu Idealen und den Mut zu - belohnenden oder auch strafenden - Sanktionen geben. Passives, gleichgültiges, diffus gewährendes Verhalten von Erziehern schadet der Wertungssicherheit und der moralischen Anstrengungsbereitschaft der zu Erziehenden.
  • Es ist notwendig, Kindern Grenzen aufzuzeigen und sie zu lehren, damit umzugehen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass wir unsere Kinder wie "kleine Erwachsene" behandeln und sie dadurch überfordern.
  • Wenn wir ihnen Grenzen setzen, sollten wir ihnen erklären, warum. Wichtig ist außerdem, sich mit dem Partner über die Regeln zu einigen. Nur wenn beide Eltern sich über Erziehungsziele und Werte einig sind, sind sie für das Kind glaubwürdig. Ansonsten spielt das Kind die Eltern gegeneinander aus. Es begreift schnell, wer von den beiden Elternteilen großzügiger und wer strenger ist. Die Regeln sollten immer gelten und Abweichungen erklärt werden. Was man bei aller Disziplin nicht vergessen sollte: Ein Kind bleibt ein Kind. Wir dürfen nicht zu viel von ihm verlangen und ihm dadurch seine Kindheit nehmen. Wir dürfen es nicht über- aber auch nicht unterfordern.
  • Unsere Aufgabe ist es, die Kinder bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, ihnen aber nicht unsere Wünsche aufzuzwingen. Ein Hobby kann dem Kind helfen, Selbstbewusstsein zu entwickeln. Es kommt mit anderen Kindern in Kontakt und hat eine Beschäftigung, die ihm Spaß macht. Indem wir zuhören, loben, Zuneigung und Geduld schenken, können wir dazu beitragen, dass das Kind Selbstvertrauen gewinnt.
  • Das Familienleben leidet oft darunter, dass beide Eltern berufstätig sind. Häufig geben sie das Kind im Hort oder Tagesheim ab, sind am Abend müde und abgespannt. Trotzdem sollte sich die Familie mindestens einmal am Tag, beispielsweise zu den Mahlzeiten treffen. Gegenseitiges Zuhören und Gespräche können Stress abbauen und so zu einem ausgeglichenen Familienleben beitragen.
  • Mit etwa drei Jahren kommt das Kind in das Fragealter und dann brauchen Erwachsene viel Geduld. Auch wenn das Kind dieselben Fragen schon öfter gestellt hat, sollte man nicht die Geduld verlieren und mögliche Zusammenhänge erklären. Das Kind lernt, selbst zu kombinieren und Zusammenhänge zu erkennen. Es wird in seiner Persönlichkeit gefestigt, indem es erfährt, dass es Empfindungen offen aussprechen darf.
  • Offenheit ist auch dann wichtig, wenn es um Probleme in der Familie geht. Oft versucht man, dem Kind etwas vorzumachen und vergisst, dass Kinder viel sensibler auf Spannungen innerhalb der Familie reagieren, als wir Erwachsenen denken. Sie merken, dass etwas nicht in Ordnung ist. Eltern sollten mit dem Kind über Probleme reden und gemeinsame Lösungen finden, es aber nicht mit Problemen überfordern, die nicht altersgemäß sind.

Falls dieser Artikel Sie zum Nachdenken angeregt haben sollte, Sie noch Fragen oder Anmerkungen haben oder Sie ganz anderer Meinung sind und uns dies mitteilen möchten, rufen Sie uns unter 02602 680244 an oder schicken Sie uns eine E-Mail.

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